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Ulrike Adler

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QX: Du bist ein langjähriges Mitglied von QX und hast letztes Jahr mittels deiner Kontakte Thomas geholfen, das Werk „Michelsdorf“ von dem zeitgenössischen Maler Norbert Bisky zu erwerben. Wie ist es dazu gekommen und wie hast Du Thomas eigentlich kennengelernt?

Ulli: In der Tat bin ich schon bald ein Jahrzehnt Mitglied und habe viele Impulse aus dem Netzwerk erhalten und Freundschaften geschlossen. Der Kontakt zu Thomas ist erst in den letzten Jahren intensiver geworden – das Projekt „Michelsdorf“ hat uns beiden auf jeden Fall viel Freude bereitet. Wenn Thomas sich in etwas verguckt, gibt es keinen Weg zurück. Als Galeristin bekomme ich bei Kollegen natürlich Sonderkonditionen, somit konnte ich ihn glücklich machen.

QX: Nach einer Banklehre und einem Betriebswirtschaftsstudium hast Du Dein Hobby zum Beruf gemacht und Dich 2001 mit der ersten Internetgalerie in Deutschland, www.bigart.de, selbständig gemacht. Wie kam es zu diesem – doch sehr ungewöhnlichen – Wechsel?

Ulli: Schon früh war mein Wunsch groß, selbständig zu sein. Von all meinen Fernreisen und Praktika kam ich mit neuen Ideen zurück. 1999 bin ich dann endlich in die New Economy eingetaucht, habe Businesspläne geschrieben, für ein Start-up gearbeitet und neue Opportunities gesehen. Ein Weg zurück in die Finanzmärkte bzw. in ein großes Unternehmen kam plötzlich nicht mehr in Frage, der Ausstausch mit Gründern war zu spannend. Bei der Suche nach der Geschäftsidee prüft man das zuerst, was einem Spaß macht, wofür man sich mit Haut und Haar engagieren könnte. Und das war eben zeitgenössische Kunst. Bingo!

QX: Die Mehrheit von uns hat höchstwahrscheinlich keine griffige Vorstellung von der exakten Tätigkeit einer Galeristin. Wie würdest Du Deinen Job beschreiben, wenn Wikipedia mit der Bitte auf Dich zukommen würde, ihn zu definieren?

Ulli: Eine Galeristin bringt Kunst vom Künstler zum Kunstliebhaber und Sammler. Da die beiden Enden der Kette, vor allem wenn es junge Künstler und angehende Sammler sind, nichts voneinander wissen, muss die Galeristin Kontaktplattformen nutzen und gegebenenfalls selbst schaffen: Messen, eigene Ausstellungen und Vernissagen, das Internet, Kataloge, Broschüren …

Dann gilt es, die beiden Seiten zu hegen und zu pflegen. Einerseits sind interessante Künstler zu identifizieren – Impuls, handwerkliche Qualität, Neuigkeitswert, inhaltliche Aussage... – und dann mit Rat und Tat bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen.

Kunstliebhaber brauchen Input und Rat bei ihrem Weg in ihr Hobby, Sammler Informationen und Tipps zu Trends, Hintergründen, neuen Shooting Stars.
Der Rest des Tages heißt Anfragen beantworten, Museen kontaktieren, Messen vorbereiten, Adressen pflegen, Kunstwerke inventarisieren, Transporte organisieren, Rechnungen schreiben, Buchhaltung machen, Steuererklärungen abgeben.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein guter Galerist versucht, die eigenen Künstler weltweit zu etablieren und sich hierfür Kontakte und Netzwerke aufzubauen. Der Erfolg eines Künstlers hängt einerseits von der dauerhaften Qualität seines Oeuvres ab, anderseits lässt er sich anhand von spannenden Soloausstellungen in Galerien und Museen, Presseartikeln in internationalen Kunstzeitschriften, Ankäufen durch Museen und namhafte Sammler etc. messen.

Es gibt viel zu tun - es wird nie langweilig!

QX: Der 1. Platz der diesjährigen Wahl zum Wort des Jahres fiel "verblüffenderweise" auf FINANZKRISE. Welche Reaktionen darauf konnte man bislang in der Kunstszene verspüren und wie gehst Du persönlich mit ihr um?

Ulli: Es wird schon mühsamer. Kunst ist kein Grundnahrungsmittel. Die Auktionen im Herbst waren bereits schwach, wir werden jetzt eher wieder Käufermärkte sehen, die Preise werden sich nicht mehr überschlagen. Wer über ein genügend großes Polster verfügt, und dazu zählen doch viele langjährige Sammler, der lässt sich nur wenig beirren.
Aber auch viele junge Leute, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, interessieren sich für Kunst, ob für die eigenen vier Wände oder die Mini-Sammlung. Wenn da der Job in Gefahr gerät, werden schnell andere Prioritäten gesetzt. Für mich heißt dies: intensiven Kontakt zu den Sammlern und Interessenten halten und wachsam sein, wie sich das Geschäft entwickelt.

QX: Mittlerweile hast Du eine „Offline“-Galerie in Frankfurt und in New York, wo Du Deine neuesten Künstler der Öffentlichkeit vorstellst (www.galerieadler.com). Gibt es eine/n Lieblingskünstler/in, die/den Du gerne unserem Netzwerk vorstellen möchtest?

Ulli: Also, alle Künstlerinnen und Künstler, die mit meiner Galerie verbunden sind, mag ich, sowohl ihre Werke als auch sie als Persönlichkeiten.

Einfach Spaß macht mir z.B. Sigga Björg Sigurđardóttir mit ihren in der isländischen Mythologie wurzelnden Figuren. Wir quietschen vor Vergnügen, wenn wieder neue Werke in der Galerie eintreffen. Und mit Léopold Rabus begleite ich einen Künstler, dessen Marktwert sich seit dem Beginn unserer Zusammenarbeit vervielfacht hat - mit Recht, in Anbetracht seiner unerschöpflichen Phantasie, seiner Ausdruckskraft und seiner Präzision in der Pinselführung.

Vor zwei Jahren habe ich nach einer Islandreise auch den jungen Performancekünstler Ragnar Kjartansson ins Programm genommen, der Kunst, Musik, Theater auf ganz besondere Weise verbindet. Ein Volltreffer: jetzt wird er nächstes Jahr den isländischen Pavillion bei der Venedig Biennale bespielen, die grösste Auszeichnung für jeden Künstler. Nicht verpassen!

QX: Was wünschst Du Dir für das nächste Jahr?

Ulli: Ich wünsche mir, dass ich das Galerieschifflein mit allen seinen Mitruderern heil durch die stürmische See bringe. Schön wäre, wenn noch ein paar mehr Künstler und Sammler aufsitzen würden.


QX: Last but not least: What is your personal "vanity"?

Ulli: Wie meine Künstler und Sammler wünsche ich mir Lob und Anerkennung in einem Umfeld, das Gott sei Dank nicht nur von finanziellen Interessen geprägt ist. Zum Leben soll es reichen, aber vor allem Freude will ich anderen und mir bereiten. Einen der nächsten Shootingstars möchte ich natürlich auch entdeckt haben. ;-)