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Stuart Cameron

QX: Stuart, Du liebst Herausforderungen. Mit dem neuen Recruiting-Event „International Talents“ engagierst Du Dich in einem Feld, wo Vorurteile auf der Tagesordnung stehen. Warum?

Stuart: Wo andere Vorurteile, Diskriminierung und Nischen sehen, sehe ich Potentiale und Möglichkeiten. Wer noch glaubt, dass Ausländer nach Deutschland kommen, um Hartz IV zu beantragen, wer ihr Talent aufgrund von Sprachproblemen verkennt oder wer meint, dass kulturelle Unterschiede nicht integrierbar sind, der gehört zu den zukünftigen Verlierern. Zehntausende Ingenieurstellen sind beispielsweise aktuell unbesetzt, knapp 117.000 Stellen im MINT-Bereich können bereits in diesem Jahr nicht besetzt werden - und die Situation wird sich aufgrund der demografischen Entwicklung in den kommenden Monaten und Jahren zuspitzen. Klar ist, dass der Pool an deutschen Fachkräften nicht reichen wird, den Fachkräftemangel zu lindern. Wer sich als Unternehmen nicht frühzeitig für ausländische Talente und Young Professionals mit Migrationshintergrund öffnet, wird in baldiger Zukunft Probleme bekommen, seine Stellen zu füllen und auf den Weltmärkten zu bestehen.    

QX: Hat immer alles bei Dir reibungslos funktioniert?

Stuart: Nein, natürlich habe auch ich schon Misserfolge erlebt. Mit meinem ersten Event habe ich das Erbe von meiner Oma – 15.000 Euro – versiebt. Damals organisierte ich eine CSD-Party für 2.500 Leute mit Top-DJs, Live-Shows, VIP-Lounges in einer Top-Location - über fünf Monate habe ich für diesen Event geworben. Am Ende der Nacht waren gerade einmal 80 Leute anwesend. Das tat weh – und zwar nicht nur finanziell, sondern auch persönlich.

Ich ignorierte aber die Warnung meines Vaters und meiner Freunde und machte weiter. Nach einem Jahr probierte ich es nochmal mit einem anderen Konzept. Diesmal waren 600 Leute mein Ziel. Schließlich kamen mehr als 1.500 Leute zu meiner Veranstaltung. Dieses Erfolgsgefühl war der Hammer und hat mir gezeigt, dass man nicht immer auf Kritiker hören sollte, wenn es um Risiken geht.   

QX: Du hast ja mal bei QX mitgearbeitet. Was hast Du mit auf Deinen Weg genommen?

Stuart: Die Zeit bei QX war einmalig und hat mich bestens auf meine Selbständigkeit vorbereitet. Von Thomas und Stefan habe ich vor allem gelernt, wie wichtig Professionalität, Ausdauer und Disziplin sind und wie man mit einem eher limitierten Budget erfolgreiche Veranstaltungen organisiert. Denn mit Millionen-Budgets schafft ja jeder ein volles Haus. Ich habe den beiden viel zu verdanken.  

QX: Du bereitest gerade die 3. MILK vor. Was reizte Dich daran, eine Job- & Karrieremesse für Schwule, Lesben und Heteros ins Leben zu rufen?

Stuart: Noch während meines Studiums wollte ich herausfinden, welchen Unternehmen es wirklich egal ist, ob man schwul oder hetero ist. Ich wollte nur für solche Unternehmen arbeiten, bei denen ich mir keine Gedanken darüber machen müsste, ob die Tatsache, dass ich schwul bin, meiner Karriere schaden könnte. Außerdem finde ich es interessant, dass es 300-700 Millionen LGBT (Lesbian, Gay, Bisexuel, Transgender)-Menschen auf diesem Planeten gibt und nur wenige Unternehmen diesen Nischenmarkt bisher ansprechen.   

QX: Was bewegt Unternehmen an der MILK teilzunehmen? 

Stuart: Bei der Milk können sich Unternehmen als offener und stolzer Arbeitgeber präsentieren und gleichzeitig hochkarätige Talente vom Studenten bis zum Professional rekrutieren. Die Deutsche Bank oder IBM werben bereits auf ihrer eigenen Recruiting-Seite mit der MILK, was uns ehrt und uns zeigt: Die MILK ist gesellschaftlich anerkannt und stärkt die eigene Employer Brand. Daher ist die MILK auch bei Heterosexuellen beliebt. Offene Unternehmen kommen eben bei allen Talenten gut an.

QX: Da Du ja früher selbst das Interview des "Vanity of the Month" geführt hast, weißt Du, was jetzt kommt: Was ist Dein Vanity?

Stuart: Two and a Half Men, Golden Girls, Roseanne und sämtliche andere lustigen Serien der Welt. Gerade wenn es stressig ist oder die Wolken tief hängen, bringen mich Samantha Jones, Sophia Petrillo oder Jack McFarland trotzdem zum Lachen. Einen Tag ohne Sitcom und ohne Lachen kann ich mir nicht vorstellen.