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Dr. Sebastian Gradinger

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QX: Seit dem 1. April bist Du als Geschäftsführer der WÖHRL Akademie für die interne Aus- und Weiterbildung von über 2600 Mitarbeitern verantwortlich. Wie hat Dein Weg über den Karrierestart im Einzelhandel in diese Position geführt?

Sebastian:
Nach meiner Promotion und mehrjähriger Lehrtätigkeit an der Universität Trier stieg ich 2006 bei dm-drogerie markt als Trainee ein – als Promovierter tatsächlich eine eher ungewöhnliche Wahl. Ich bekam dann sehr schnell die Möglichkeit, eine Filiale eigenverantwortlich zu leiten. Nach meinem Wechsel zu Peek & Cloppenburg Ende 2007 konnte ich als interner Verkaufs- und später Geschäftsleiter von Häusern in Wien und Brünn die Expansion in Osteuropa mit vorantreiben und meinen Weg im Handel weiter verfolgen. In diesen Jahren habe ich sehr wertvolle Erfahrungen gesammelt. Und mir wurde klar, dass eine Mischung aus Einzelhandel, Mitarbeiterführung und Lehre genau das ist, was mich fasziniert – ein Bereich, in dem ich mich weiter entwickeln möchte. Nachdem ich mich vorübergehend mit dem Gedanken getragen hatte, eine Professur für Handelsmanagement aufzunehmen, erhielt ich das Angebot, die WÖHRL Akademie zu leiten. In dieser Funktion kann ich alle drei Bereiche kombinieren und darüber hinaus noch mehr über die strategische Führung eines Unternehmens lernen. Eine große Herausforderung und Chance für mich.

QX: Wenn Du es schon ansprichst: Was genau hat Dich denn damals zum Schritt in den Einzelhandel bewogen?

Sebastian: Ehrlich gesagt, kam der Einzelhandel während des Studiums auf meiner Agenda gar nicht vor. Bei einem Vortrag habe ich dann Götz Werner, den Gründer von dm-drogerie markt, erlebt. Seine Persönlichkeit und Unternehmensphilosophie, die damals schon vom Gedanken der Nachhaltigkeit getragen war, haben mich sehr beeindruckt. Und tatsächlich bietet diese Branche für Akademiker enorme Möglichkeiten, z.B. die rasche Übernahme von Personal- und Umsatzverantwortung. Ich habe es nie bereut, mein Handwerkszeug von der Pike auf gelernt zu haben, und ich bin davon überzeugt, dass mir genau das heute in vielen Bereichen die nötige Sicherheit und Akzeptanz verschafft.

QX: Du hattest mittlerweile in Deutschland, Österreich und Tschechien Personalverantwortung. Was hast Du aus den verschiedenen Ländern mitgenommen?

Sebastian:
Natürlich sind Unterschiede in der Führungskultur spürbar. So ist zum Beispiel der Führungsstil in Tschechien viel indirekter als in Deutschland. Probleme löst man eher bei einem gemeinsamen Bier als im „Mitarbeitergespräch“. Immer wieder gab es Situationen, die sehr ungewohnt und schwierig für mich waren. Ich denke aber, das gehört in einer Führungskarriere einfach dazu. Wichtiger als die interkulturellen Unterschiede war und ist für mich das Spektrum der menschlichen Erfahrungen und Begegnungen in einem Team mit ganz unterschiedlichen Menschen und Lebenswegen – von der jungen, allein erziehenden Mutter bis hin zum Mitarbeiter mit vierzigjähriger Unternehmensgeschichte, der kurz vor der Pensionierung steht. Um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, braucht es eine feine Wahrnehmung, in der Heimatkultur ebenso wie in einer fremden. Dennoch – auch das habe ich gelernt – die Beherrschung der Landessprache ist unheimlich wichtig. In Tschechien blieb mir das leider versagt.

QX: Welche Führungsprinzipien ergeben sich für Dich aus Deinen Erfahrungen?

Sebastian:
Am Besten bin ich immer mit Offenheit und Menschlichkeit gefahren. Dazu gehört auch, manchmal einzugestehen, dass man nicht weiter weiß, und deshalb die Mitarbeiter einzubeziehen. Ich glaube, es ist wichtig, immer genau zu wissen, was man kann und was nicht, und damit auch reflektierend umzugehen. Die Philosophie von dm drogerie markt ist in dieser Hinsicht bis heute für mich vorbildlich. Dazu passt auch der Leitsatz eines renommierten Unternehmers: „Mitarbeiter folgen Ihnen als Mensch, nicht als Direktor“. Insofern ist „Führung auf Augenhöhe“ für mich im Gegensatz zu einem hierarchischen Führungsstil der bessere Weg. Ich möchte meinen Mitarbeitern vermitteln, dass ich ihnen etwas zutraue, nach dem Prinzip, „dann ein guter Chef zu sein, wenn man das Gefühl habe überflüssig zu sein.“

QX: Welche Ziele hast Du Dir für die nächsten Jahre gesetzt?

Sebastian: Zunächst einmal arbeite ich mit ganzer Kraft daran, die WÖHRL Akademie einerseits als Ressource interner Aus- und Weiterbildung weiter auszubauen, andererseits an der Verwirklichung unserer Vision einer tragenden Rolle für die Eliten-Bildung im Einzelhandel. Ich bin mir sicher, dass auf diesem Weg noch viele Herausforderungen auf mich warten. Langfristig liegt es mir am Herzen, jungen Menschen meine Erfahrungen als Wegbegleiter weiterzugeben.

QX: Zu guter Letzt wie immer: Was ist Dein Vanity?

Sebastian:
Kann an keiner Kamera vorbeilaufen ohne zu lächeln :-).