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Paulus Neef

QX: In einem Interview mit der netzeitung 2004 bezeichnest Du Dich selbst als "Vollblut-Unternehmer". Was genau verstehst Du darunter? Was macht für Dich einen Unternehmer aus?

Paulus: Unternehmer kommt von „unternehmen“, etwas ausprobieren, etwas Neues wagen. Immer wieder. Dabei kann man auch mal auf die Nase fallen. Aber das ist nicht schlimm. Da lernt man etwas daraus, steht wieder auf und unternimmt etwas Anderes oder optimiert die aktuelle Idee. Auf diese Weise wird ein Projekt immer besser. Und das ist das schöne am Unternehmertum: je länger man es macht, desto mehr Erfahrung hat man mit der man „wirken“ kann. Und das ist auch etwas, das einen Unternehmer auszeichnet: man will etwas verändern in der Welt – Wirkung hinterlassen. Dabei muss man nicht immer gleich die ganze Welt ändern aber (lacht) man versucht es zumindest.

QX: Welche Projekte haben Dich in den letzten Jahren beschäftigt? Welche beruflichen Erfahrungen haben Dich besonders geprägt?

Paulus:
Beschäftigt hat mich in den letzten Jahren besonders die PQuadra. In diesem Unternehmen „unternehmen“ meine Frau Martina und ich gemeinsam etwas mit anderen Unternehmern. Dabei geben wir unsere gesammelten Erfahrungen, Kontakte und Denkweisen an Unternehmen weiter, die im Aufbau sind oder sich weiterentwickeln wollen. Dabei schauen wir besonders nach „echten Unternehmern“. Die sind selten. Aber zum Glück erkennt man sie schnell. Das sind diejenigen, die an Ideen festhalten und sie immer weiter verbessern wollen. Diese Leute diskutieren mir Dir bis sie sicher sind den optimalen Weg gefunden zu haben – und dann gehen sie sofort los!

An beruflichen Erfahrungen geprägt haben mich all jene in denen ich besonders viel gelernt habe. Witziger Weise sind das gar nicht die besonders großen gewesen. Meist waren es eher unscheinbare: Begegnungen mit Menschen die Ideen hatten oder mir im richtigen Moment einen guten Tip gegeben haben. Das Eindrucksvollste sind immer noch die persönlichen guten Kontakte die man über die Jahre aufbaut.

QX: Dein aktuelles Projekt - die MAMA AG - versteht Nachhaltigkeit als "das entscheidende Thema unserer Zeit". Wie kam es dazu, dass Du Dich in genau diese Richtung orientiert hast? Und was bedeutet der inzwischen allgegenwärtige Begriff der Nachhaltigkeit für Dich?

Paulus: Lass es mich einmal so beschreiben: schon als ich mein erstes Unternehmen gegründet habe, wollte ich, dass es anderen Menschen hilft ein besseres Leben zu führen – auch das Internet besser nutzen zu können, kann das Leben verbessern. Es müssen nicht immer rein altruistische Ziele sein. Dabei wollte ich nie auf „Gewinn“ verzichten, denn ich glaube, dass Menschen nur langfristig an einer Sache bleiben, wenn sie auch persönlich etwas davon haben. Deshalb bin ich kein Freund von „reinen Spenden“. Da wird gespendet und wenn das Geld alle ist, ist das Projekt zu Ende. Das kann nicht sein. Die Idee war also schon immer da. MAMA ist die aktuellste und wohl auch konsequenteste Version davon.

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ bedeutet für mich, dass möglichst viele Menschen gemeinsam auf dieser Welt ihre eigenen Ziele verfolgen können. Das ist für mich als größte Form von Freiheit ein wirklich sinnvolles Ziel. Denn seine eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen macht glücklich. Dazu gehört auch, das man eine intakte Umwelt, ein funktionierendes soziales System aber auch eine prosperierende Wirtschaft hat in der man sich entwickeln kann. Und da sind wir wieder bei MAMA.

QX: Was genau ist das Ziel der MAMA AG?

Paulus: (Schmunzelt) ... die Welt verändern. Nein im Ernst, wie ich es unter Punkt 1 beschrieben habe: ein Unternehmer will immer die Welt verändern, sonst steht er morgens nicht auf. Und ich stehe jeden Morgen auf. Meist sogar sehr früh – und dann geht es los.

Für MAMA konkret heißt das: wir wollen Nachhaltigkeit in den Massenmarkt bringen, denn dort kann sie am sinnvollsten wirken. Da leben die meisten Menschen, die am meisten die Welt bewegen– allein aus der Summe heraus. Für die Investoren in MAMA heißt das: hier ist auch die interessanteste Skalierung möglich. MAMA möchte Wohlstand für alle erzeugen. Vor allem in den Massenmärkten. Das schließt aber auch die Investoren ein, denn ohne die geht es nicht. Deshalb hat MAMA auch einen Fonds aufgelegt (wir sind kein Fonds, wir haben einen), denn ohne Kapital kann man die Welt nicht bewegen. Gemeinsam mit Kapital, den richtigen Menschen und Ideen, können wir aber einen positiven „Impact“ erzeugen.

MAMA ist ein klassisch operatives Unternehmen. Wir investieren in langfristige Projekte mit nachhaltigem Hintergrund. Das können zum Beispiel Projekte zur umweltschonenden Energieerzeugung sein, zur CO2 Reduktion aber auch zur direkten Verbraucher-Convenience in Sachen Nachhaltigkeit oder E-mobility, auch nachwachsende Rohstoffe sind unser Thema. Damit das Ganze aber nicht so langweilig ist wie in klassischen „Nachhaltigkeits-Fonds“, investieren wir parallel in technologische Innovationen oder Strukturen. Die liefern diesen Projekten gezielt „the missing link“ und schaffen damit ein neues Business-Modell, dass bei wenig Risiko viele Chancen addiert. Für diese Idee konnten wir bereits einige Partner überzeugen. Ein wichtiger strategischer Partner und Investor bei MAMA ist bereits heute 3M. Dieses Unternehmen, das selbst seit 35 Jahren die Prinzipien der Nachhaltigkeit verfolgt, arbeitet mit uns zusammen um unsere technische und internationale Infrastruktur zu optimieren.

QX: Unsere traditionelle letzte Frage in dieser Rubrik: Was ist Dein Vanity?
 
Paulus: Morgens aufstehen und als Erstes meiner Tochter und meiner Frau in die Augen schauen. Dann weiß ich sofort, was ich an diesem Tag wieder machen will.