qx-header-leadership-karriere

Heike Boss

heike boss

QX: Seit 1997 bist Du loyale Mitarbeiterin bei Royal Dutch Shell, dem weltgrößten Energie- und seit Juli 2009 weltweit umsatzstärksten Unternehmen. Was hat Dich damals dazu motiviert, in dieser Branche Fuß zu fassen und was bekräftigt Deine Treue zu Shell?

Heike: Nach meinem BWL und Psychologiestudium wollte ich enthusastisch-verklärt einen Unterschied in Human Resources machen. Ich war überzeugt – und bin es immer noch (!) – dass strategisches HR Management ein entscheidender Erfolgsfaktor für ein Unternehmen ist. Mein Start bei Shell war dann eigentlich keine Branchen- sondern viel mehr eine Jobentscheidung: das Shell Angebot war europäisch und projektbezogen und einfach viel sexier als der „normale“ HR Einstieg in einem lokalen Personalreferentenjob. Außerdem gefiel mir die unprätentiöse Firmenkultur, die sich im Auswahlprozess erspüren ließ und die Chemie mit meinem ersten Chef passte einfach spontan.

Natürlich hätte ich nie gedacht, dass dieses erste Bauchgefühl über 10 Jahre anhält. In dieser Zeit hatte ich sechs Jobs in vier Ländern und jeder war völlig anders, mal operativ, mal strategisch, mal HR im Business, mal funktional, mal lokal, mal global, mal Wachstum, mal Divestment und jedes mal wieder riesig spannend und herausfordernd! Die Internationalität und Vielfalt in Shell ist wirklich faszinierend und bereichernd. Außerdem mag ich es, dass die Branche eine wichtige sozio-ökonomische Bedeutung hat und nicht ohne Kontroversen ist.

QX: Shell hat Dich 2004 für die Handelsblatt „Karriere des Jahres“ vorgeschlagen. Die Jury, bestehend aus der Handelsblatt-Redaktion und der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung e.V., hat Dich ausgewählt! Das Interessante bei diesem Talentwettbewerb ist, dass die Kandidaten sich hierbei nicht selbst bewerben können, sondern vorgeschlagen werden müssen. Die Mentoren - Geschäftsführer, Vorstände und Professoren - bürgen mit ihrem Namen für die Qualität der Kandidaten. Wer hat damals für Dich gebürgt und welche Türen hat Dir diese Auszeichnung geöffnet bzw. vielleicht sogar geschlossen?

Heike: Ich hatte zu der Zeit gerade eine riesige Umstrukturierung unseres B2B Geschäfts in Frankreich erfolgreich abgeschlossen und der General Manager für das europäische Geschäft hatte mich daraufhin für den Karrierepreis des Handelsblatts vorgeschlagen.

Schön war, dass dabei zum ersten Mal eine HR-Karriere ausgewählt worden war. Eine kleine wohltuende Bestätigung, dass HR viel mehr sein kann als eine bürokratische Institution die unsinnige Regelungen durchsetzt, Gleichheit mit Gerechtigkeit verwechselt und konstruktive Veränderungen behindert. Und ein bisschen dafür dass HR ein riesiges Potential hat, wirklich Business Performance mit zu beeinflussen. Ansonsten war der Preis eher unspektakulär und er hat außer ein paar mehr Headhunterkontakten weder Türen geöffnet noch geschlossen.

QX: Nächsten Monat wirst Du London verlassen und in die „Löwenstadt“ ziehen. Dort wirst Du für Shell als neue „VP HR Upstream International Asia“ im Einsatz sein. Welche neue Aufgabenstellung erwartet Dich und wie bereitest Du Dich auf Singapur vor? Hast Du schon eine Wohnung gefunden?

Heike: In meinem neuen Job werde ich die HR Verantwortung für unseren Förder- und Produktionsbereich in Asien übernehmen. Die Öl- und Gasprojekte in diesem Bereich gehören zu den größten und komplexesten im Energiesektor weltweit und rund die Hälfte der 10000 Mitarbeiter in diesen Wachstumsmärkten sitzt in Joint-Ventures mit anderen Energieunternehmen oder nationalen Ölgesellschaften.

Neu ist, dass Öl und Gas in einem Geschäftsbereich zusammengeführt werden und somit kann ich die intensive Changeerfahrung meines derzeitigen Jobs sofort einbringen. Über die nächsten Monate definieren wir die neue Organisationsstruktur und daher bin ich schon mittendrin in meiner Einarbeitung und versuche ganz schnell das Business zu verstehen und auch mein eigenes Team zu resourcen.
Außerdem kommt noch die kulturelle Komponente hinzu und ich weiß, dass meine sehr direkte Art nach ein bisschen Anpassung im asiatischen Umfeld verlangen, ohne dass ich dabei meine Ecken und Kanten verlieren will.

Parallel läuft die Wohnungssuche auf Hochtouren, wobei ich mich in der Vorauswahl viel mehr für ein traditionelles Shophouse als ein supermodernes Apartment in einem Hochhaus begeistern kann. Und mein Netzwerk vor Ort hilft mit Tipps und Fotos.

QX: In Deiner Freizeit setzt Du Dich seit 2007 für das Charityprojekt „Alchemy World“ (www.alchemyworld.org) in Afrika ein. Alchemy World befähigt junge Erwachsene in Ost-Afrika, erfolgreiche Geschäftsleute zu werden, indem sie finanziell autark werden und des Weiteren als künftige Arbeitgeber fungieren. Wie bist Du auf dieses Konzept gekommen und woher rührt Dein Engagement?

Heike: Ende 2007 habe ich vier Wochen lang Äthiopien bereist und war fasziniert von den dramatischen Landschaften und der kulturellen Vielfalt sowie der spannenden Mischung aus Traditionen und Moderne. Am meisten beeindruckt haben mich aber die Menschen, ihre Dynamik, ihr Stolz und ihre Offenheit, die zum Teil von der Abwesenheit einer Kolonialvergangenheit geprägt ist.

Den ersten Kontakt mit einem Alchemy World hatte ich in einem kleinen Internetcafe in der Abgeschiedenheit der Simienberge. Der Eigentümer war von Alchemy World beim Businessplan und der Finanzierung unterstützt worden und dadurch profitiert ein ganzes Dorf von den Möglichkeiten der virtuellen Kommunikation und den Informationen des Webs was als wundervoller Nebeneffekt auch die Community enger zusammen gebracht hat. Daraufhin habe ich mir noch weitere Projekte von Alchemy angeschaut und war begeistert von deren Konzept, das Ausbildung und Business Support kombiniert und so nachhaltig Einkommensquellen und Arbeitsplätze im Kampf gegen die Armut schafft.

Meine Begeisterung hielt auch nach meiner Rückkehr noch an und ich habe mich mit dem CEO von Alchemy, der damals noch in Oxford wohnte und mittlerweile Vollzeit in Äthiopien die Charity leitet, getroffen, um zu diskutieren wie ich deren Projekte fördern und unterstützen kann. Seitdem habe ich verschiedene Unternehmensgründungen beraten und begleitet, Seminare vor Ort gehalten und einige Spendenaktionen mitorganisiert. Und es macht riesig viel Spaß!

QX: Neben Deinem Beruf und Deiner gemeinnützigen Aktivität, ist Deine dritte große Leidenschaft das Reisen. Du hast mittlerweile über 75 Länder mit Rucksack oder „in style“ bereist. Welches Land hat Dich bisher am meisten fasziniert und was sind deine Reisetipps?

Heike: Meine Reiselust begann vor 20 Jahren und seitdem nehme ich mir jedes Jahr eine vier-wöchige Auszeit (ja, ja, das geht nur in HR) um ein neues Land zu entdecken, am liebsten basic mit herrlichen luxuriösen Vergnügungen zwischendurch. Das aufregende ist sich wirklich auf ein Land und seine Menschen einzulassen und es mit allen Sinnen zu erspüren – und nichts ist besser um seine Perspektive nicht zu verlieren oder sie wieder zu finden.

So viele Länder haben mich fasziniert und beim Versuch eines auszuwählen schweifen meine Gedanken unweigerlich ab und Reiselust kommt auf!

Meine „must see“ Reisetipps sind: Botswana, weil es schöner und weniger touristisch als Südafrika ist; Peru, weil Machu Picchu einfach atemberaubend ist; Syrien, weil man nirgends so herzlich aufgenommen wird und Vietnam, weil es alle seine wunderbaren Sehenswürdigkeiten einfach entlang der Küste aufreiht. Und natürlich Äthiopien, weil es so unerwartet und zugleich so faszinierend ist!

QX: What the world needs to know: Was ist Dein Vanity?

Heike: Ich habe eine Vielzahl an Unzulänglichkeiten, aber nicht wirklich erwähnenswerte Eitelkeiten :-).