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Christine Maria Hermeling

QX: Dein Lebenslauf ist sehr bunt. Von Ernährung über E-business bis Kommunikation und künstlichen Gelenken findet man einiges was nicht unbedingt einen „klassischen“ Werdegang widerspiegelt. Gib uns doch mal einen Schwenk Deiner letzten Jahre?

Christine: Auch wenn ich Ernährungswissenschaften studiert habe, zog es mich direkt ins Marketing der Konsumgüter-Industrie, was übrigens eine sehr gute Schule in Sachen Kundenorientierung ist. Dann folgten neun Jahre Dienstleistungs- ,eBusiness- und Personalmarketing bei der Deutsche Post World Net, und als kürzeres Intermezzo interne Kommunikation für das internationale Großhandelsgeschäft Cash & Carry der Metro Group. Seit drei Jahren habe ich mein berufliches Zuhause in der Medizintechnik gefunden, bei DePuy, einem Tochterunternehmen von Johnson & Johnson und weltweit zu den führenden Unternehmen für künstlichen Gelenkersatz gehörend. Mein Start waren Kommunikations- & Marketing-Prozesse in Deutschland. Und seit gut einem Jahr habe ich meinen Traumjob: Als Director Professional Education / Value Added Services leite ich den Bereich der Mehrwertlösungen für die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz. Unsere Kunden und damit meine Kontakte sind operierende Ärzte in Kliniken, Geschäftsführer der Kliniken und Klinikketten. Meine Aufgabe ist, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden zu fördern, sei es durch Klinikmarketing, die Einführung von klinischen Pfaden, Prozessoptimierung mittels Lean oder die Verbesserung des sogenannten "Patient outcome“ über strukturierte Weiterbildung unserer Anwender.

QX: Deinen derzeitigen Chef hast Du auf etwas ungewöhnliche Art und Weise kennengelernt. Wie lief das genau?

Christine: Im Rahmen eines Outdoor-Programms während einer Vertriebstagung. Ich habe ihm einfach spontan von meinen Ideen erzählt. Drei Monate später bekam ich ein Angebot. Damit hätte ich im Vorfeld auch nicht gerechnet.

QX: Du sagst, dass netzwerken für Dich eine große Rolle spielt. Was bedeutet das in Deiner aktuellen Tätigkeit?

Christine: Netzwerken ist für mich eine Haltung und keine Zweckorientierung. Es ist wichtig, erst einmal selber die Augen und Ohren offen zu halten und zu sehen, wie man andere unterstützen kann. Aktuell ist es für mich das A&O aus zwei Gründen: Erstens ist Johnson & Johnson eine Netzwerk-Company mit dezentralen Strukturen. Wir Frauen neigen ja dazu, „fleissig“ zu sein, lieber eine Netzwerk- Gelegenheit auszuschlagen, weil der Schreibtisch noch ruft. Habe ich da schon den richtigen Mix? Naja, ich denke, da ist noch Verbesserungspotenzial. Zweitens: Der zweite Satz in meinem Bewerbungsgespräch war „Sie müssen nicht ins Saarland ziehen“ (Anmerkung: Headquarters der dt. Implantat-Tochter). Ich mixe Homeoffice mit Dienstreisen zu 50/50. „Kaffeebecher Meetings“ auf dem Flur sind so nicht möglich, einer meiner Haupt-Arbeitsplätze ist die Flughafen-Lounge in Frankfurt. Ich genieße meine Freiheit, gleichzeitig habe ich die Verpflichtung, meine Kontakte sorgsam zu pflegen, weil sie eben nicht unkompliziert im Flur passieren.

QX: Viele Menschen haben ein Zitat, welches für sie ein Lebensmotto oder ein Leitsatz ist. Gibt es da bei Dir auch eins?

Christine: Puh, mit einem tue ich mich echt schwer, nehmt Ihr auch zwei? Also: „Es gibt keine Fehler, nur Feedback!“. Das hol ich mir meistens (… ok - ich übe noch) bevor ich anfange, mich über mich selbst oder andere zu ärgern. Dahinter liegt die positive Haltung, dass jede Entscheidung in dem Moment, in dem sie gefällt wird, nach bestem Wissen und Gewissen geschieht. Fehler macht man selten aktiv und willentlich. Lernen darf man aus dem Feedback. Und damit sind wir beim zweiten: „Entscheiden heisst verzichten. Wenn Du Dich nicht entscheidest, tun es andere für Dich.“ Also lieber hinterher sagen, hmm hätte ich auch anders bzw. besser machen können, statt sich nicht zu entscheiden…

QX: Spiegelt sich Deine Entscheidungsfreude auch in Deinem Privatleben wider?

Christine: Autsch, jetzt habt Ihr mich. Privat betrachte ich es als Luxus, gerne auch mal das Heft aus der Hand zu geben. Da kann ich sehr pflegeleicht sein. Oberste Priorität hat dann bei mir Wohlfühlzeit zusammen mit meinen guten Freunden – und auch das ist eine Form von „Netzwerken“. Sie sind immer für mich da.

QX: Was glaubst Du, würden Menschen, wenn sie Dich das 1. Mal sehen, am wenigsten von Dir denken?

Christine: Ich liebe die Hippie Mode der 70er, habe davon auch einiges im Schrank. Und – ach – gebt mir Platz auf der Tanzfläche, coole Technomusik, dann bekommt Ihr mich da stundenlang nicht runter…

QX: Und zum Abschluss: Was ist Dein Vanity?

Christine: Hmmm, ich bin ein Design-& Ästhetik-Freak und muss gestehen, dass ich in Hotels meistens gleich 1-2-mal das Zimmer wechsle, bis ich eines finde, das mir gefällt. Ich bin durchschnittlich 2-3 Tage die Woche unterwegs und möchte nicht schlechter schlafen als zuhause – mit weitem Blick, hell und puristisch designed. Glücklicherweise sterben die plüschigen Hotels mit den fleckenunempfindlichen gemusterten Teppichböden langsam aus.