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Annette Mann

Annette Mann

QX: Annette, Du hast die neue Lufthansa »First Class« als Projektmanagerin von der Pike auf begleitet. Dein Fazit?

Annette: Ich hatte großes Glück, gleich nach meinem Trainee-Programm einen absoluten Traumjob zu bekommen! Ich habe mehr als vier Jahre  lang mit den unterschiedlichsten Charakteren zusammengearbeitet: mit Marktforschern, Designern, Einkäufern, Ingenieuren, Controllern, Kabinen-Crew und natürlich nicht zuletzt mit unseren First Class Kunden! Vom ersten Moment an stand der Kunde immer im Mittelpunkt, wir haben uns in jeder Produktentwicklungsphase  über Interviews, Workshops, Prototypentests etc. ausführliches Feedback geholt. Es war uns viel wichtiger zu ergünden was unsere Kunden wirklich wollen, nicht ob unser Fernseher größer ist als der bei Emirates oder Singapore Airlines. Mein Fazit: Es war eine spannende Zeit mit einem tollen Team, ein großes Abenteuer!

QX: Ihr habt sogar ein Testflugzeug im Ping-Pong zwischen Detroit und Frankfurt fliegen lassen, um Kunden die neue First Class testen zu lassen. Welcher Kunde ist Dir in Erinnerung geblieben?

Annette: Definitiv der Chef des Qualitätsmanagements der Volkswagengruppe – wir haben uns fast drei Stunden lang über die Produktion von Sitzbezügen, Spaltmaße oder Qualitätsanmutung von verschiedenen Lederoberflächen unterhalten. Man muss einfach zugeben, dass die Automobilindustrie bei diesen Themen in einer ganz anderen Liga spielt, nicht zuletzt weil dort ganz andere Stückzahlen produziert werden. Wir reden bei einem First Class Sitz von einer Gesamtproduktion von vielleicht 800 Stück, da lohnen sich keine Präzisionsroboter.

QX: Bei solch einem Projekt wirken sehr unterschiedliche Menschen zusammen. Deine Aufgabe war es u.a. alle auf eine Linie zu bringen. Wie war das?

Annette: Als ich die Projektleitung übernahm war ich mit 26 noch sehr jung und hatte kaum Berufserfahrung. Aber es geht ja als Projektleiterin auch nicht darum etwas besser zu wissen, sondern einen Rahmen zu schaffen, in dem die unterschiedlichen Spezialisten konstruktiv auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten können und gleichzeitig Termine und Kosten im Blick zu behalten. Am schwierigsten waren die Diskussionen in der zweiten Hälfte des Projekts: der Designer schlug nach einem Kundenfeedback ganz enthusiastisch eine optimierte Position und Form für den Tisch vor, der Ingenieur stöhnte laut auf und sagte „das geht nicht“, und der Controller hatte natürlich ein Problem mit den zusätzlichen Kosten. Ich habe mich im Wesentlichen als Moderator dieses Prozesses verstanden – Vertrauen, Offenheit und Respekt im Team standen im Mittelpunkt.

Ein sehr heterogenes, internationales Projektteam zu führen macht mir unglaublich viel Spaß und ist sicherlich auch eine meiner Kernkompetenzen.

QX: 2009 bist Du zunächst in eine Führungsposition in den Vertrieb nach Hamburg gewechselt, nun aber zurück in einer Stabsfunktion in Frankfurt. Was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?

Annette: Nach den vielen Jahren Projektarbeit fand ich es reizvoll, eine eher operativ ausgerichtete Position mit disziplinarischer Führungsverantwortung zu übernehmen. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, habe sehr viel über Vertrieb  und Führung gelernt, aber mir ist auch klar geworden, dass mir konzeptionelles Arbeiten doch viel mehr liegt. Daher musste ich nicht lange überlegen als Anfang des Jahres das Angebot kam, in den Strategie-Stab der Passage zu wechseln.

QX: Was sind jetzt Deine Aufgaben?

Annette: Unser Team arbeitet an den unterschiedlichsten langfristig-strategischen Themen. Fragestellungen können zum Beispiel sein „Wie positionieren wir uns im Wettbewerb?“, „Welche Produkte will der Kunde der Zukunft?“ oder „Welche Herausforderungen stellen sich in fünf oder zehn Jahren?“. Ziel ist es jeweils, gemeinsam mit den betroffenen Fachbereichen Lösungsvorschläge zur Diskussion mit Vorstand und Top-Management zu erarbeiten. Außerdem sind wir auch für die kommerzielle und strategische Betreuung von Passage-Beteiligungen zuständig, ein für mich völlig neues Feld. Ich kümmere mich z.B. um eine Beteiligung in Indien, die die unterschiedlichsten Geschäftsprozesse für Lufthansa abwickelt.

Der Reiz der Aufgabe liegt zum einen in der Bandbreite der Themen, aber auch in den Einblicken, die man in die Entscheidungsprozesse im Top-Management bekommt.

QX: Der Job ist aber nicht alles für Dich, auch soziales Engagement spielt eine große Rolle in Deinem Leben.

Annette: Ich versuche über verschiedene Aktivitäten immer mal wieder über den Tellerrand zu blicken. Neben meinen Aufgaben als Mentorin habe ich im letzten Jahr zusammen mit meinem Kollegen bei den Wirtschaftsjunioren eine Gründerakademie auf die Beine gestellt und darüber viele interessante Menschen kennengelernt. Vor einigen Jahren war ich ein paar Wochen auf einer Teeplantage in Darjeeling (Indien) und habe dort in einer Grundschule Lesen und Schreiben unterrichtet – eine perfekte Möglichkeit, meine ausgeprägte Reiselust und mein Hobby Fotografie mit dem Blick über den Tellerrand zu kombinieren!

QX: Und die lang ersehnte Frage: Was ist Dein Vanity?

Annette: Mein Mann und ich haben gerade ein Haus gekauft – eine gute Gelegenheit mein Knowhow aus meiner Produktmanagement-Zeit privat anzuwenden. Vor allem der ziemlich brachliegende Garten hat meinen Ehrgeiz geweckt: mit Hilfe von unzähligen Gartenbüchern und Design-Zeitschriften habe ich ein ausführliches Gartendesign-Briefing entwickelt. Es soll die perfekte grüne Oase werden!