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Olaf Kroll

QX: Du hast seit Beginn deiner beruflichen Laufbahn die New Econony in all ihren Höhen und Tiefen miterlebt: Vom E-Commerce Manager bei Pixelpark über Online and Business Development bei Sony bis hin zum Vice President bei Myspace. Was fasziniert dich an der digitalen Welt besonders?

Olaf: Es sind tatsächlich viele Aspekte, die mich faszinieren. Zum einen ist es die ständige Veränderung und die hohe Taktzahl der Veränderung. Ich bin mir nicht sicher, ob es jemals eine sich so schnell drehende Industrie gegeben hat. Mich würden Branchen schnell langweilen, in denen sich nichts mehr verändert. Im Digitalgeschäft bleibt es immer bunt und spannend.

Zum anderen mag ich die informelle Branchenkultur sehr. Dinge wie eine lockere Kommunikation (man duzt sich quasi durchgängig), Flexibilität in puncto Arbeitszeiten und –orten oder auch die „Kleiderordnung“ – alles ist flexibel und fährt nicht auf seit Jahrzehnten eingefahrenen Wegen.

Jede Generation hat auch in puncto Arbeit ihr „Ding“ – etwas, das sie erstmals und maßgeblich prägt, etwas, das die älteren Generationen nicht vollständig verstehen und beherrschen. Für mich war es eben das digitale Geschäft, das genau nach meinem Studium aufkam. Nach meinem Berufseinstieg 1998 habe ich das erste ganz große Auf und Ab der New Economy voll mitgenommen. Ich bin immer noch dankbar für dieses glückliche Timing und für meine erste Berufserfahrung bei Pixelpark.

Nach einigen „digitalen Stationen“ in größeren Unternehmen wie Sony oder Fox habe ich mich jedoch entschieden, in einem etwas kleineren und flexibleren Umfeld etwas neu aufzubauen, ohne die konzerntypischen Reibungsverluste.  Seit Oktober 2011 baue ich also das deutsche Geschäft von Unruly Media auf, einem sehr erfolgreichen und schnell wachsenden englischen Startup. Wir distribuieren virale Werbeclips im Internet und sind in diesem Segment der weltweit erfolgreichste Anbieter. Nach 1,5 Jahren kann ich sagen dass dieser Wechsel in kleinere Strukturen eine meiner besten Entscheidungen überhaupt war. 

QX: Besonders auf deine Work-Life-Balance hat sich deine neue Tätigkeit positiv ausgewirkt. Für welche Dinge hast du seitdem mehr Zeit und was hat sich dadurch für dich verändert?

Olaf: Work-Life-Balance wird häufig reduziert auf „weniger Arbeit und mehr Freizeit“. Ich würde den Begriff etwas weiter fassen, denn de facto arbeite ich mehr als jemals zuvor.

Ich denke, heute haben wir Technologien und Werkzeuge, mit denen sich die Arbeit flexibler und passgenauer in unser Leben einbauen lässt. Zum anderen haben wir heute bei vielen jüngeren Angestellten einen anderen, mehr auf Eigenverantwortung und Ergebnisorientierung basierenden Arbeitsethos. Meinem Team steht es frei zu arbeiten wo und wann sie dies für richtig halten – solange am Ende die Ergebnisse stimmen und die Firma Erfolg hat. Und es funktioniert.

Zudem ist Work-Life-Balance für mich auch, mich am Arbeitsplatz wohlzufühlen. Meine Arbeitsstelle soll ein Ort sein, der nicht nur funktionale, sondern auch emotionale Bedürfnisse adressiert. Beim Anblick der meisten Büros frage ich mich ernsthaft wie hier ein Wohlfühl-Gefühl und Inspiration aufkommen kann. Insofern war es mir ein großes Anliegen, nun einmal ein Büro nach meinen Vorstellungen zu schaffen – inmitten eines schönen Kiezes, mit Kamin, Dachterrasse, Dusche für die Läufer und schöner Einrichtung. Wir arbeiten zudem völlig unverkabelt – kein Festnetz, nur drahtloses Internet. Da wird im Sommer die Terrasse schon mal zum Dauerarbeitsplatz... wir sind alle viel unterwegs, und es immer schön, wieder ins Office zu kommen. 

QX: Auch mit QX bist du schon eine ganze Weile auf der Reise. Du warst bei einem der ersten Auswahltage  im Jahr 1998 dabei. Die sahen damals noch etwas anders aus als heute – statt eines klassischen ACs gab es eine Stadtrallye durch Frankfurt, bei der es allerlei unkonventionelle Aufgaben zu lösen galt. Gerade sind wir dabei, das Development Center wieder grundlegend neu zu gestalten und zu einem richtungsweisenden „State of the Art“-Assessment zu machen. Dazu haben wir auch das Netzwerk kürzlich befragt. Was erscheint Dir in diesem Zusammenhang besonders wichtig? Hast Du spontane Impulse dazu?

Olaf: Ich war damals auf einem Assessment-Kochabend. Man hat einfach miteinander gekocht. Nice! Mich hat immer fasziniert, dass QX neben exzellenten fachlichen Leistungen auch die sozialen und zwischenmenschlichen Aspekte von Bewerbern im Blick hatte. Es waren damals tendenziell die „guten UND coolen“ Leute. Da war QX Vorreiter. Ich habe leider durch meinen Berliner Standort in den letzten Jahren etwas weniger Kontakt zur Gruppe – ich hoffe am oben genannten hat sich nicht zu viel geändert! Auch aufgrund dieser Erfahrungen kann ich persönlich nur empfehlen, bei der Auswahl von Mitarbeitern nicht allzu „rational“ zu entscheiden. Klar ist es wichtig, beim Auswahlprozess analytisch vorzugehen. Aber wenn mir mein Gefühl bei einem Kandidaten kein uneingeschränktes grünes Licht gibt, gehe ich immer die Extrameile und suche lieber weiter. Nichts hat einen so großen Hebel auf die Ergebnisse und auch auf die Qualität und Quantität meiner eigenen Arbeit wie die richtige Nase bei der Auswahl des Teams. 

QX:  Wir wissen auch über dein besonderes Vanity, den Tango Bescheid – erzählst Du uns was darüber? 

Olaf: Der argentinische Tango ist für mich persönlich DIE Entdeckung der letzten Jahre und ist eine absolute Leidenschaft geworden. Während das Businessleben stets Planung, Verstand, Analytik und Rationalität belohnt, geht es im Tango um das genaue Gegenteil: Um Gefühl, Leidenschaft, Intuition. Es ist ein wunderbarer Kontrast. Ich gehe so häufig wie möglich auf eine der zahlreichen Berliner Milongas und werde in einigen Wochen wieder nach Buenos Aires reisen, um Unterricht bei einigen argentinischen Maestros zu nehmen. Berlin ist übrigens – nach Buenos Aires – die größte Tangometropole weltweit. Ich liebe diese Stadt!