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Marcus Heers

QX: Marcus Du unterstreichst, dass Du gerne in Frankfurt lebst - und das trotz des Fluglärms?

Marcus: Oh, das ist eine brisante Frage gleich zum Einstieg! Viele Einwohner Frankfurts sind vom Fluglärm negativ betroffen, deswegen muss das Thema weiterhin ernsthaft und sachlich behandelt werden. Wenn ich allerdings mal nur für mich sprechen darf: Ich bin nicht trotz, sondern gerade wegen allem, was die Rhein-Main-Region mit der Luftfahrt verbindet, sehr gerne hier. Ich würde am liebsten bei jedem einzelnen Flieger am Himmel rufen "Schaut mal, ein Flugzeug!". Aber mein Umfeld erinnert mich dann gerne daran, dass ja nicht jeder Kerosin im Blut haben kann. 

QX: Du hast Dich für ein BWL-Studium entschieden und im Anschluss daran als Berater bei McKinsey angefangen. Konntest Du dort Deiner Leidenschaft zum Aviation Sector nachgehen?

Marcus: Fluggesellschaften sind eher zurückhaltend im Einsatz von Strategieberatern. Die Jahre bei McKinsey waren toll, aber die Thematik "Aviation" beschränkte sich auf das Meilensammeln bei der Lufthansa. Das Cockpit hab ich also dann 2008 in der Freizeit "erobert": Der Privatpilotenschein hat mir mein schönstes Hobby eingebracht. Während des MBAs hatte ich dann auch etwas Zeit für längere Touren, wie zum Beispiel an die Côte d'Azur.

QX: Nach Deinem MBA hat es Dich hinsichtlich eines Social Entrepreneurship 3 Monate auf die Philippinen verschlagen. Was hast Du dort Spannendes erlebt?

Marcus: Ich durfte dort mit anderen Kommilitonen ein kleines Hotel in ein "Social Enterprise" weiterentwickeln. Das bedeutet, wir wollten sowohl die eigentliche Geschäftstätigkeit als auch die Verwendung der Profite aus dem Unternehmen so ausrichten, dass sie Umwelt und Mitmenschen in der unmittelbaren Umgebung zu Gute kommen. Das beinhaltet zum Beispiel Local Sourcing, Recycling und stärkere Einbindung der Touristen in das Geschehen vor Ort. Und das Ganze mit unbekannten Herausforderungen - nur ein Beispiel: Als "Social Enterprise" war es für uns klar, dass wir an Korruption nicht teilnehmen. Nun ist es allerdings so, dass in dem Dorf unseres Hotels stilles Einvernehmen herrschte, nur ca. 30% des wahren Einkommens den Finanzbehörden gegenüber anzugeben, verbunden mit einer kleinen Gabe an den Beamten, der eigentlich prüfen sollte. Hätten wir nun unser komplettes Einkommen angegeben, hätte das bei den Behörden ungewollte Aufmerksamkeit erzeugt, in deren Konsequenz die Abgabenlast für alle hätte steigen können. Somit würden wir durch Ehrlichkeit genau den Menschen schaden, denen wir helfen wollen. Gar nicht so einfach! (Mehr davon unter http://marcus-palawan.blogspot.de/)

QX:  Zuhause angekommen, bist Du wieder in Deinen alten Beruf zurück - aber Du hast die Fliegerei nie aus den Augen verloren, oder?

Marcus: Ich hatte viel Glück: Eine strikte deutsche Anforderung, die keine Kurzsichtigkeit im (kommerziellen) Cockpit erlaubte, wurde zwischenzeitlich durch eine Europäische Regelung, welche sich eher an der korrigierten Sehfähigkeit orientiert, ersetzt. Somit konnte ich mir "nebenberuflich" den Traum vom Berufspilotenschein ermöglichen. Eines der schönsten Elemente davon ist, dass ich jetzt nicht mehr um die Wolken herumfliegen muss, sondern auch durch eine Wolkendecke in die "grenzenlose Freiheit" darüber durchsteigen kann.

Kurz vor Fertigstellung der Lizenz bin ich zudem im Sommer 2011 als Manager Strategic Projects zum Condor Flugdienst gewechselt. Somit darf ich mich auch beruflich mit der Fliegerei auseinander setzen.

QX: Stellt es sich bei einer Fluggesellschaft nicht als schwierig dar, Deinen Beruf am Boden mit Deiner Leidenschaft on board zu verbinden?

Marcus: Stimmt, im Moment ist die aktive Fliegerei eher ein Hobby. Aber das muss ja nicht so bleiben! Im Aviation Sektor ist es üblich, Management-Funktionen in bestimmten Bereichen mit (Teilzeit-)Piloten aus dem eigenen Hause zu besetzen. Wenn sich eine solche Gelegenheit bieten würde, wäre ich sofort dabei! Somit könnte ich dann beide "Berufsausbildungen" einsetzen, das wäre ein Traum. Mal sehen, was die Zukunft diesbezüglich bringt. 

QX: Und zum Abschluss.Was ist Dein Vanity?

Marcus: Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht zehnmal den Wetterbericht checke. Die Verkehrsflugzeuge haben viele Einrichtungen, durch welche sie so tun können, also ob ihnen das Wetter nichts ausmachen würde. Das ist bei den kleinen Maschinen etwas anders: Der Verlauf einer Kaltfront kann die Entscheidung zwischen Fliegen oder am Boden bleiben, zwischen Sonnenschein über den Wolken oder Stau auf der Autobahn bedeuten. Von daher ist Wetterbeobachtung im Tagesablauf mit drin. Das Fliegen ist halt immer noch eine Freiluftveranstaltung. Das hat seine Herausforderungen, aber noch viel mehr seinen Reiz!