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Isabella Neisinger

QX: Isabella, Du bist gerade aus Shanghai zurückgekommen. Wie war’s und was hast Du dort gemacht?

Isabella: Es war großartig - mein erstes Mal in Asien und eine schöne und sehr lehrreiche Zeit! In Shanghai habe ich bei Ekkehard Rathgeber, ebenfalls QX-Mitglied und früherer Bertelsmann Manager, ein dreimonatiges Praktikum in seiner Unternehmensberatung SDJ Business Consulting absolviert. SDJ Business Consulting tätigt und verwaltet Investitionen im Immobilien- und Gesundheitssektor. Außerdem habe ich eine Legal Due Diligence bei einem aufstrebenden chinesischen E-Commerce Unternehmen durchgeführt, was besonders spannend war.
Dank Ekkehard durfte ich ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen und Außergewöhnliches erleben. So verfasste ich z.B. im Rahmen der Marketingassistenz bei Body & Soul Medical Clinics „Kräuterkolumnen“ für die Homepage oder plante den Umsatz für die Kliniken. Zudem hatte ich einen großartigen 10-Sekunden-Auftritt in einer chinesischen Kochsendung, lernte eine Reihe spannender Leute kennen und „durfte“ während eines Betriebsausfluges „Hoch auf dem gelben Wagen“ vor 50 Chinesen anstimmen. Vor allem aber - und das war das Wertvollste - konnte ich Ekkehard trotz seines durchgetimten Tagesablaufs stets mit allen möglichen Fragen konfrontieren, sei es zu meiner persönlichen Karriereplanung, China, Bertelsmann, Immobilienfonds u.v.m. Dafür hat er sich immer Zeit genommen, das war klasse.

QX : Welches Ereignis wirst Du nie vergessen?

Isabella: Gegen Anfang meiner Zeit in China hatte ich im Rahmen der eben genannten Legal Due Diligence einen Termin mit dem Gründer und CEO des Unternehmens, das ich begutachten sollte. Zwar war ich auf Small Talk eingestellt und hatte dafür sogar extra Familienfotos eingepackt, aber nicht darauf, dass mich der CEO direkt zu einem Business Lunch einladen würde. Und so fing er an quer durch die Karte alle möglichen Gerichte zu bestellen und unser Tisch füllte sich schnell mit allen möglichen chinesischen „Köstlichkeiten“ - darunter auch die sogenannten „5-fach duftende Hühnerfüße“ und ein gefährlich wabbelndes Gelee aus Kaffee. Meiner deutschen Erziehung folgend fing ich pflichtbewusst an, meinen Teller zu leeren - sogar zwei Hühnerfüße verspeiste ich. Als ich schließlich das zwölfte von gefühlten dreißig Gerichten schuldbewusst ablehnen musste, machte sich daraufhin ein erleichtertes Lächeln auf dem Gesicht meines Gastgebers breit. Was ich nicht wusste: In China wäre es eine Blamage für den Gastgeber, wenn seine Gäste alles aufessen würden.

QX: Das Leben im Ausland ist schon immer ein Teil von Dir, wie kommt’s?


Isabella: Als Diplomatenkind bin ich anfangs „zwangsweise“ mitgereist, habe mit meinen Eltern und Geschwistern als Kind u.a. drei Jahre in Buenos Aires, Argentinien, und fünf Jahre in Warschau, Polen, gelebt. Als Teenager und sogenanntes „Third Culture Kid“ hatte ich das Fernweh-Gen dann so eingeimpft, dass es mich schon nach dem ersten Jahr in Berlin mit 16 Jahren für ein Jahr in einen der schönsten Staaten der USA, nach Colorado, zog. Dort besuchte ich die lokale High-School, trainierte mein Englisch und bereiste die USA. Mein obligatorisches Auslandssemester während der Studienzeit verbrachte ich dann 2008 in Mexiko-Stadt. Ein Praktikum bei einer renommierten Anwaltskanzlei hatte mich zuvor nach Miami geführt. 2010/2011 absolvierte ich in Madrid dann mein Masterstudium und zuletzt das Praktikum in China.

QX: Wow – was hast Du denn studiert?

Isabella: Direkt nach meinem Abi fing ich mein Studium an der Bucerius Law School - der ersten privaten Hochschule für Rechtswissenschaft in Deutschland - an. Sie war für mich erste Wahl, da sie das klassische Jurastudium um Vorlesungen der BWL und VWL und intensiven Sprachkursen ergänzt. An der BLS habe ich 2010 meinen Bachelor of Laws erworben. Im Herbst 2010 begann ich dann an der “Escuela Diplomatica Madrid”, der Hochschule des spanischen Außenministeriums, mein Masterstudium der Internationalen Beziehungen und Diplomatie, welches ich letzten Oktober mit Einreichen meiner Masterarbeit abgeschlossen habe.

QX: Was reizte Dich einen Master in Diplomatie zu machen?

Isabella: Jura habe ich aus Neugier angefangen. Mich interessierte, welches Handwerkszeug die deutsche Rechtsordnung Juristen an die Hand gibt, um Konflikte zu lösen oder vorzubeugen, welche sich nun einmal im Zusammenleben ergeben. Außerdem passte Jura sehr gut zu meinen Fähigkeiten, der Freude am sprachlichen Ausdruck und dem logischen Denken. Anwältin wollte ich am Ende trotzdem nicht werden. Daher suchte ich nach meinem Bachelor of Laws ein besonderes Master-Programm, das meinen Interessen entsprach und da bin ich auf den Master in Internationalen Beziehungen und Diplomatie der spanischen Diplomatenschule gestoßen. Besonders bereichernd fand ich, dass ich internationale Fragestellungen u.a. mit Kommilitonen aus Afghanistan, Palästina, Libanon, Kamerun und China diskutieren konnte.

QX: Werden wir Dich also demnächst als Diplomatin begrüßen dürfen, oder was sind Deine Pläne?

Isabella: Nach meinem bisherigen Leben als Diplomatenkind brauche ich davon erst einmal eine Pause, um mit gehörigem Abstand evaluieren zu können, ob das wirklich auch was für mich wäre. Mein Plan ist, zunächst einmal bei einer Unternehmensberatung oder als Assistent des CEOs bei einem Unternehmen anzufangen und in absehbarer Zeit einen interessanten MBA an einer Top-Uni draufzusatteln. Langfristig möchte ich gerne im Bereich Philanthrophic Venture tätig werden- dort könnte ich meine Interessen für Wirtschaft, Recht und Internationales ideal miteinander kombinieren.


QX: Und was machst Du wenn Du ein paar ruhige Minuten für Dich hast?


Isabella: Wenn ich ein paar Minuten wirklich nur für mich habe, dann Schreiben. Während meiner Schulzeit in Berlin habe ich ab und zu kleinere Sachen für den „Tagesspiegel“ geschrieben. Zurzeit sitze ich an einem Artikel über China für den Spiegel Online. Irgendwann würde ich auch gerne ein Buch schreiben - den Titel hab ich auch schon.
Ansonsten interessiert mich alles zu den Themen Debattieren, Rhetorik und Gedächtnistraining. Früher habe ich all diese Sachen ziemlich aktiv betrieben und war beim Debattierclub des Tagesspiegels Berlin seit seiner Gründung aktiv. Sobald ich jobmäßig gesettled bin, möchte ich mir auch wieder ein soziales Projekt suchen, bei dem ich mich ehrenamtlich engagieren kann - darauf freue ich mich besonders.

QX: Und die Fragen aller Fragen: Was ist Dein Vanity?


Isabella: Ohne täglich frisch gewaschene Haare gehe ich selbst nach lediglich zwei Stunden Schlaf nur bei einem Hausbrand, einer Naturkatastrophe oder mit akuter Lungenentzündung aus dem Haus – oder aus dem Zelt. So habe ich auf Reisen, wenn mal keine funktionsfähige Dusche in der Nähe war - etwa nach einem Sturm auf Kuba oder an einem abgelegenen Strand in Mexiko - schon öfters mit einem Bottich kaltem Wasser und meinem Minishampoo improvisiert...