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Florian Ristig

QX:  Florian, Du hast den „Daniel-Krämer Preis“ auf der Leadership Conference 2012 mit dem spannenden Thema „Warum gibt es Euch eigentlich? – Der Kernprozess als Daseinsberechtigung. Re-Organisation nach dem Vorbild lebend(ig)er Systeme“ gewonnen.
Warum glaubst Du, dass gerade dieses Thema so viel Interesse unter den Teilnehmern verursacht hat?


Florian: Das habe ich mich tatsächlich auch gefragt und ich kann nur vermuten, dass das Thema zeitgemäß ist und sich zum Anderen etwas aus der Menge der anderen Vorträge abgehoben haben könnte. Ich denke, dass gerade die „systemische“ Betrachtung einen möglichen Anreiz für das große Interesse geboten hat. Vielleicht hat der Titel des Vortrags aber auch durch seine einfache Fragestellung überzeugt. Einfach ist eben oftmals einfacher.

QX: Was waren Deine Kernaussagen im Rahmen dieses Vortrages?

Florian: Kernprozesse können die Antwort auf die Frage liefern: warum bin ich eigentlich hier? Ich bin erfolgreich, weil ich etwas besonders gut kann. Das liegt nicht an meinen Kunden, nicht am Management alleine, nicht am Produkt oder am Ergebnis, sondern an der Art und Weise, wie ich das Ergebnis gestalte. Also am Prozess.

Eine Ausrichtung der Organisation auf die wichtigsten Prozesse kann helfen, den Fokus zurück zu gewinnen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn man das gut machen will, gilt es ein paar Prinzipien zu berücksichtigen:

Was ist, darf sein.
Alles was besteht hat seine Berechtigung, sonst wäre es nicht entstanden, wie es heute ist.

Erst wenn ich das „Alte“ erkenne und auch zulasse, kann ich daraus Neues entwickeln.

Jedem sein Werkzeug.
Das Management hält sich zurück, das Team modelliert die Prozesse. Schließlich sind die Prozesse das spätere Handwerkszeug des Teams. Niemand mag es, einen Hammer in die Hand gedrückt zu bekommen, den man sich nicht selber ausgesucht hat.   

Klarheit schaffen.
Es braucht Klärung in Bezug auf Rollenbilder, Aufträge und ein gemeinsames Verständnis.Im Zweifel kann Klarheit nicht mit Papier geschaffen werden, sondern muss geübt werden. Dafür braucht es Raum.

 QX: Du bist, nach Stationen bei BCG und der Kreativagentur „Fork“ mittlerweile selbstständig und führst ein Unternehmen namens „SOLIDDD“ - „Solid Digital Development“. Was bietet Ihr als Unternehmen denn an, was der Markt bisher nicht bot? 

Florian: SOLIDDD bietet die technische Realisierung von digitalen Projekten und eine Management-Beratung für Kunden, die im digitalen Umfeld Fragen zu lösen haben.

Das tun viele andere auch, aber wir können dabei Erfahrungswerte aus mehr als zehn Jahren Tätigkeit mit unserer ganzheitlichen Sichtweise kombinieren. Wir setzen nicht einfach nur nach Vorgabe um, sondern stellen erst einmal die wichtigsten Fragen, um den Kontext zu klären – bis hin zur strategischen Relevanz. Das ist in der Branche eher unüblich und ich bin der Überzeugung, die meisten können und machen das auch nicht.

Ich war noch nie ein Freund von langen Beratungsprojekten, an deren Ende eine Abschlusspräsentation und 100 Seiten Papier standen. Deshalb bauen wir auf einzelne Beratungsmodule und einen Coaching Ansatz statt auf lange Laufzeitprojekte.

Zudem sind wir Perfektionisten mit einer Vorliebe für einen gesunden Pragmatismus. Diese Kombination liegt einfach in unserem Wesen und kommt uns für unseren Job zugute.

Zu guter Letzt wollen wir vor allem einen guten Job machen – eben SOLIDDD.

QX:  Was hast Du während Deines Jahres bei BCG und Deiner über 11 Jahre, zuletzt als Geschäftsführer, bei „Fork“ gelernt, was Du auch bei Deiner täglichen Arbeit heute anwendest?   

Florian: In unserem Geschäft geht es – trotz aller digitaler Vordergründe - immer um Menschen, ihre Vorstellungen, ihre Wünsche, ihre Grenzen und Ängste. Deshalb ist es das Wichtigste für mich, zuhören zu können und zu spüren, worum es eigentlich geht. Womöglich braucht es dafür Talent; man kann das allerdings auch lernen. Eigentlich wende ich das täglich an – nicht nur im Job, sondern generell im Leben. Und es macht mir Spaß, auch wenn es manchmal sehr anstrengend sein kann. 

QX: Als Berater bei SOLIDDD hast Du ab und zu auch Situationen, in denen Du Kunden coachst. Was sind die häufigsten Themen/Fragestellungen, mit denen Du bei dieser Coachingtätigkeit in Berührung kommst und wie gehst Du sie an?

Florian: Im Prinzip geht es immer um das Gleiche, auch wenn die Themen grundsätzlich verschieden sind: Zuhören, Verstehen, Köpfe sortieren und Gedanken strukturieren. Und all das bitte mit der nötigen Priese Empathie.

Thematisch bewege ich mich bei dieser Übung zwischen strategischen Fragestellungen, Projektierungsaufgaben, Organisationsthemen und individuellen Problemen. Entscheidend für den Erfolg ist dabei nicht unbedingt mein Wirken, sondern das Zutun meines Gegenübers: nur wer wirklich will, wird spüren und kann dann auch verändern. Alleine ist man als Berater machtlos, als Coach sowieso.

QX: Du bist nach Deiner Zeit bei der Kreativagentur Fork vier Monate durch Costa Rica und Südostasien gereist. Was hast Du während der Zeit aus Deutschland vermisst und was von der Reise mit in Deinen Alltag nach Deutschland mitgenommen?

Florian: Offen gesagt - vermisst habe ich gar nichts.

Mitgebracht habe ich die schöne Erfahrung, dass es an jeder Kreuzung, an jeder Gabelung ins Ungewisse weiter geht und man getrost die Dinge auf sich zukommen lassen kann. Es geht immer weiter. Versteht man das, hat man sich ein kleines Stück innerer Ruhe erarbeitet, die es meiner Meinung nach braucht, um in diesen unsteten Zeiten besser zu Recht zu kommen.

QX: Dein Vanity hast Du mir bereits verraten: Du bist bekennender Schuhfan?!

Florian: Genau: „Schau auf die Füße eines Mannes und ich sage dir, ob er Stil hat oder nicht.“
Das hat mir mal ein weiser Mann gesagt und ich finde er hat durchaus Recht. Ob ein Mann Stil hat oder nicht, zeigt sich an seinen Schuhen – nicht am Anzug, nicht am Hemd, der Krawatte oder an anderen Accessoires. Ein Schuh hat Charakter, ein Schuh ist ein Statement, ein Schuh ist Stilmittel, das in jeder Alltags- oder Lebenssituation Nuancen setzen kann. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Sneaker, Sandale oder Lederschnürer  - alles ist erlaubt, es (er) sollte nur passen und eben eine Aussage machen. Denn die macht er sowieso. Die Aussage kann sich passend zur Situation verändern. Somit wird der passende Schuh zum Ausdruck eines Lebensgefühls, ganz unbewusst.

Wie Nutini schon sagt (und singt): „ I put some new shoes on, and suddenly everything is right.”